Nach einem Verkehrsunfall ist häufig nicht allein streitig, wie hoch der Fahrzeugschaden ist. Zunächst muss geklärt werden, wer für den Unfall haftet und ob eine Mithaftung des Geschädigten in Betracht kommt. Eine pauschale Haftungsquote gibt es nicht: Entscheidend sind die konkreten Verkehrsverstöße, nachweisbaren Verursachungsbeiträge und die Betriebsgefahr der beteiligten Fahrzeuge.
Gesetzliche Grundlagen der Unfallhaftung
Die Halterhaftung ergibt sich grundsätzlich aus § 7 StVG, die Haftung des Fahrzeugführers insbesondere aus § 18 StVG. Zusätzlich können deliktische Ansprüche nach § 823 BGB bestehen. Sind mehrere Kraftfahrzeuge beteiligt, richtet sich die Haftungsverteilung zwischen ihren Haltern insbesondere nach § 17 StVG. Bei mitwirkendem Verschulden des Geschädigten ist § 254 BGB zu beachten. Gegen den Kfz-Haftpflichtversicherer besteht unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Direktanspruch nach § 115 VVG.
Was bedeutet eine Haftungsquote?
Eine Haftungsquote bestimmt, welcher Anteil des ersatzfähigen Schadens von der Gegenseite getragen werden muss. Bei voller Haftung werden die notwendigen und ersatzfähigen Schadenspositionen grundsätzlich zu 100 Prozent ersetzt. Ergibt die Abwägung dagegen etwa eine Mithaftung, kann sich der Zahlungsanspruch entsprechend reduzieren. Eine Quote von 50 zu 50 folgt nicht schon daraus, dass sich zwei Fahrzeuge berührt haben oder sich die Beteiligten widersprechen.
Wie beurteilt man die Verursachungsbeiträge?
Nach § 17 StVG sind bei der Abwägung grundsätzlich nur erwiesene oder unstreitige unfallursächliche Umstände zu berücksichtigen. Bloße Vermutungen über eine mögliche Geschwindigkeitsüberschreitung oder Unachtsamkeit reichen nicht aus. Zu prüfen sind insbesondere Vorfahrt, Abbiegen, Fahrstreifenwechsel, Abstände, Geschwindigkeiten, Rückwärtsfahren und das konkrete Fahrverhalten unmittelbar vor der Kollision. Die Betriebsgefahr eines Fahrzeugs kann unter besonderen Umständen hinter einem besonders schweren Verkehrsverstoß der Gegenseite vollständig zurücktreten.
Typische Unfallkonstellationen
Auffahrunfall
Bei einer typischen Auffahrkollision kann der Beweis des ersten Anscheins für einen Sorgfaltsverstoß des Auffahrenden sprechen. Ein unmittelbar vorausgegangener Fahrstreifenwechsel oder ein atypischer Unfallablauf kann die Bewertung jedoch verändern. Mehr dazu auf unserer Seite zum Anscheinsbeweis im Unfallrecht.
Fahrstreifenwechsel
Wer den Fahrstreifen wechselt, muss nach § 7 Abs. 5 StVO eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausschließen. Bei einer Kollision im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Wechsel kann deshalb viel für eine Verantwortung des Wechselnden sprechen. Der genaue Zeitpunkt der Kollision und das Fahrverhalten des anderen Beteiligten bleiben dennoch entscheidend.
Abbiegen, Vorfahrt und Rückwärtsfahren
Auch bei Abbiege-, Vorfahrts- und Rückwärtsfahrunfällen hängen Haftung und Quote von der konkreten Verkehrssituation ab. Besondere Sorgfaltspflichten sind zu berücksichtigen; ein schematischer Schluss auf eine immer gleiche Quote wäre unzutreffend.
Wie lässt sich der Unfallhergang beweisen?
Wichtig sind Unfallfotos, Beschädigungsbilder, die Position der Fahrzeuge, mögliche Zeugen, polizeiliche Unterlagen und gegebenenfalls eine unfallanalytische Begutachtung. Ein polizeiliches Verwarnungsgeld oder eine spontane Äußerung am Unfallort entscheidet nicht automatisch über die zivilrechtliche Haftungsquote.
Prüfung und Durchsetzung der Schadensersatzansprüche
Unsere Kanzlei prüft die Haftungslage und setzt die berechtigten Ansprüche gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung durch. Dabei berücksichtigen wir auch weitere Schadenspositionen wie Nutzungsausfall, Sachverständigenkosten oder Wertminderung. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn der Versicherer nur eine Teilhaftung anerkennt.
